Bericht zum 46. Basler Renaissancekolloquium

 

am 13. Dezember 2019
Sara Steffen

«Gerüstete Renaissance»

 

Daniel Jaquet (Bern) 

«Indestructible Exoskeletons! Early Modern Armours Technologies as the 'Currency of Power'» 

Im Fokus von Daniel Jaquets Beitrag stand das Zusammenwirken von Rüstungen und Körpern: Rüstungen formen, verändern und erweitern den menschlichen Körper, können diesen geradezu entfremden oder übermenschlich erscheinen lassen. Um Funktion und Bedeutung vormoderner Rüstungen besser verstehen zu können, so argumentierte Jaquet, muss dieses Zusammenwirken in den Blick genommen werden. Hierfür eigne sich besonders ein naturwissenschaftlich-experimenteller Zugang, mit welchem sich embodied knowledge ermitteln und quantifizieren lasse, das in Text- und Bildquellen meist implizit bleibe.

Am Beispiel des 1490 verfassten und 1509 im Druck veröffentlichten Fechtbuchs Exercitiorum Atque Artis Militaris Collectanea des italienischen Fechtmeisters und Condottieres Pietro del Monte (†1509) veranschaulichte der Referent zum Einstieg, welche Rückschlüsse diese Art von Quellen über Rüstungen erlauben. Zum einen thematisiert Del Monte in seinem Werk die schwer zu vereinbarenden Eigenschaften, welchen Rüstungen idealerweise zu entsprechen hatten: Sie sollten zugleich schützend sowie leicht und flexibel sein. Zum anderen beschreibt er im Detail einzelne Rüstungsteile wie Harnische oder gepanzerte Handschuhe, deren Verwendungszwecke – sei es für Fusssoldaten, Ritter, Turniere oder sonstige Repräsentationszwecke – sowie Vor- und Nachteile der verschiedenen Konstruktionsarten. Aus dieser Perspektive erscheinen Rüstungen insgesamt als komplexe technische Produkte, die exakt auf die jeweiligen Verwendungszwecke abgestimmt werden konnten.

Als technische Meisterleistungen erscheinen Rüstungen auch bei der Betrachtung der Rüstungssammlung Maximilians I. Der Habsburger engagierte an seinem Hof hochqualifizierte Plattner wie Konrad Seusenhofer (†1517) und dessen Bruder Hans (†1555) – Letzterer wurde für seine Dienste nobilitiert – und beteiligte sich selbst an der Konzeption seiner Sammelstücke. Obwohl die Rüstungen den höchsten technischen Standards der Zeit entsprachen und gebrauchsfähig waren, weisen sie über die reine Schutzfunktion hinaus: Maximilian inszenierte sich mit ihnen vielmehr als wehrfähiger Herrscher und nutzte sie damit in erster Linie als Prestige- und Repräsentationsobjekte.

Im letzten Teil seines Beitrags präsentierte Daniel Jaquet schliesslich Resultate aus seinen eigenen, an naturwissenschaftlichen Standards orientierten Experimenten zum Thema. Die Grundlage für seine Forschungen stellte ein auf den Angaben in Fechtbüchern basierendes, hinsichtlich Gewicht und Tragegefühl so exakt wie möglich mit historischen Originalen übereinstimmendes Replikat einer Rüstung dar. Mit diesem Replikat führte der Referent verschiedenste Tests durch, um dessen Einfluss auf den menschlichen Körper zu quantifizieren. Die Experimente ergaben, dass beim Tragen einer Rüstung zwar der Energieaufwand für körperliche Aktivitäten um mehr als die Hälfte ansteigt, sich der Schwerpunkt des Körpers hingegen kaum verschiebt. Bezüglich der Bewegungsfreiheit zeigten die Untersuchungen darüber hinaus, dass der Radius zwar für einzelne Bewegungen eingeschränkt, für andere hingegen aufgrund des zusätzlichen Gewichts der Rüstung erweitert wird. Dies stellt gemäss Jaquet keinen Zufall dar, sondern war ein bewusstes Element der Rüstungskonstruktion, um einerseits die notwendigen Bewegungen im Kampf zu ermöglichen, aber kritische Öffnungen und Schwachstellen in der Panzerung zu vermeiden. Damit konnte Daniel Jaquet insgesamt sehr anschaulich zeigen, wie durch den experimentellen Zugang bisherige, auf Text- und Bildquellen basierende Forschungen um implizites embodied knowledge erweitert werden können, wodurch sich neue Perspektiven auf das Zusammenspiel von Konstruktion, Funktion und Körper in vormodernen Rüstungen ergeben.

 

 

Felix Jäger (London)

«Der Ruf der Sirene: Die Schande des Souveräns und ihr politisches Kalkül in den Rüstungen der Negroli» 

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